Australien - Verwirklichung einer ganz verrückten Idee

 

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Sonnabend, 14.10.2006

Clausthal-Zellerfeld - Frankfurt - Dubai
Inge und Gerd, die uns zum Bahnhof gefahren haben, bleiben bis zur Abfahrt auf dem Bahnsteig. Es war nett von ihnen, uns nach Göttingen gebracht zu haben. Inzwischen hat der Schaffner unsere einen Meter langen Fahrscheine abgeknipst. Wir sitzen zur richtigen Zeit im richtigen Zug und rollen nun recht entspannt gen Frankfurt. Wir haben Glück, denn unsere reservierten Plätze, es waren die beiden letzten im Zug. entpuppen sich als Abteilplätze und, obwohl als „Raucher“ ausgewiesen, raucht hier niemand. Die Raucher stehen alle draußen auf dem Gang und qualmen den voll. Neben mir sitzt ein alleinreisender Herr und arbeitet, uns gegenüber ein junges Paar im Werder-Outfit, das mit sich selbst beschäftigt ist. Der noch freie Platz wird von einer unserer Reisetaschen okkupiert.
Hier ist kurz einzuschieben, wie es zu unserer Unternehmung kam.
Gisela, meine Schwester, wanderte vor zwei Jahren mit zwanzig Kilogramm Gepäck nach Australien aus, nachdem sie ihre wiedergefundene Jugendliebe Bernd, der seit 30 Jahren in Australien lebt, geheiratet hatte. Bei der telefonischen Verabschiedung meldete ich Interesse an einem Besuch an. „Ja gern, aber ihr seid erst Nummer neunundneunzig auf der Liste“. Selbst dieser Platz auf der Warteliste schreckte uns nicht, ein wenig zu „spinnen“. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einen fremden Kontinent mit Unterstützung dort Einheimischer zu bereisen? Unsere Planung wurde intensiver, alle Welt bekam unser Vorhaben mit. Mein Abschied von der Schule stand ganz im Zeichen Australiens. Alle fieberten mit. Doch dann kam Elkes Augenoperation, der Besuch musste verschoben werden. Als dann auch noch das Knie operiert werden musste, sah ich unsere Reise dahinschwinden. Doch die Erholungsphase schritt gut voran und die Planung konnte wieder aufgenommen werden. Inzwischen hatten auch unsere Freunde Ursula und Uwe Nägel mit Köpfen gemacht und eine Reise von Oktober bis Dezember gebucht. Ich fand über das Internet ein kompetentes Reisebüro in Stuttgart, das uns ein gutes und differenziertes Angebot unterbreitete. Im Juli gaben wir grünes Licht für die Buchungen. Frau Frech in Stuttgart wickelte alles zu unserer Zufriedenheit ab. Es entstand ein netter telefonischer Kontakt zwischen uns, sodass Elke die fehlende Ortsnähe des Reisebüros nicht mehr vermisste. Je näher der Reisetermin rückte, desto nervöser wurde sie aber. Doch ich glaube, dass dies nachlässt, wenn sie erst einmal an Ort und Stelle ist und sie die neuen Eindrücke voll in Beschlag nehmen. Vom 18.10. bis 05.11. werden wir bei Bruders in Healesville Station machen, das dortige Programm werden wir gemeinsam in Absprache gestalten. Am 05.11. werden Ursula und Uwe zu uns stoßen, der gemeinsame Flug nach Cairns ist schon gebucht. Dort werden wir zwei Wohnmobile übernehmen und in den folgenden vier Wochen bis Sydney fahren. Dort werden wir uns trennen, Ursula und Uwe fliegen zurück und wir haben noch zwei weitere Wochen Zeit, um nach Melbourne zurückzufahren.
Inzwischen haben wir Frankfurt erreicht. Beinahe steige ich in die falsche S-Bahn, aber eine nette Dame macht mich auf den Fehler aufmerksam. Drei Stationen später sind wir am Flughafen. Trotz der vielen Baustellen finden wir nach kurzer Fahrt mit dem Skytrain den Emirates-Schalter. Wir reihen uns in die Warteschlange ein und sind in einer halben Stunde abgefertigt. Während des Wartens rufe ich bei Kathrin an, denn Elke hat nach dem Auswaschen des Kühlschranks vergessen, den wieder einzuschalten. Unser Gepäck checken wir gleich durch bis Singapur. Jetzt haben wir nur noch unsere beiden kleinen Rucksäcke. Auch die Bordkarten für den Anschlussflug erhalten wir hier. Der Sicherheitscheck ist unproblematisch, nichts wird beanstandet. Wir hätten besser eine weitere Stunde vor dem Schalter verbringen sollen, um noch einen Kaffee zu trinken, denn hier hinten gibt es nichts Ordentliches mehr. Aber nun sind wir durch und gehen gleich zum Gate 9. Wir werden noch einmal aus dem Wartesaal hinaus komplimentiert, dann geht es aber sehr schnell und geordnet nach Sitzreihen ins Flugzeug. Wir hatten Plätze vorgebucht und wissen daher, wo wir sitzen, Platz 30 K und J, ein Zweierblock am Fenster. Wir machen uns mit der Elektronik vertraut, der Kapitän begrüßt uns und die Sicherheitsbestimmungen flimmern über den Bildschirm, auf dem wir auch das Geschehen vor dem Flugzeug verfolgen können. Und dann ist es soweit: 22.25 Uhr – wir rollen, 22.35 Uhr – take off. Kaum sind wir richtig in der Luft, geht auch schon die Hektik los: Getränke, Essen, alles soll noch bis Mitternacht abgewickelt sein, denn nach sechs Stunden Flugzeit gehen wir schon wieder in Dubai runter. Zum gedünsteten Lamm gönnen wir uns einen Rotwein, danach können wir sogar ein wenig schlafen.
17.10.08 11:13


Sonntag, 15.10.2006

Frankfurt – Dubai - Singapur
Kurz vor fünf Uhr Dubai-Zeit wache ich auf. Wir überfliegen gerade Kuweit. Unter uns erkenne ich deutlich die Ölfelder, über denen die hellen Gasflammen flackern. Elke ist überrascht von der Flugruhe, in dem kleinen Flieger nach London, den sie vor drei Wochen benutzt hatte, waren die Turbulenzen stärker zu spüren gewesen. Ab sechs Uhr, gerade, als wir die arabische Wüste überfliegen, wird es heller und als wir Dubai anfliegen, liegt die Stadt in gleißendem Sonnenschein unter uns: Toll der Blick auf die Hafenpromenade und die dahinter liegenden Hochhäuser!
Der Flughafen ist eine einzige Baustelle. Wir werden draußen mit Bussen abgeholt und in die Transitflughalle gebracht. Der Check geht auch hier zügig vonstatten, dann stehen wir in der langen, zylinderförmigen Halle, die von draußen so futuristisch, von drinnen allerdings wie ein Palast aus 1001 Nacht anmutet. Fast hätte ich im Duty Free Shop eine kleine Unterwasserkamera gekauft, im letzten Moment aber davon Abstand genommen. Vielleicht kommen wir ja gar nicht zum Schnorcheln. Wir laufen zweimal die Halle hinauf und hinunter, dann werden wir auch schon zum Boarding aufgerufen. Es ist abzusehen, dass wir nicht pünktlich wegkommen werden, denn die Schlange ist lang und es geht nur schleppend voran. Später werden beim Einsteigen in den Bus die Passagiere sogar noch einmal von Hand nachgezählt, das hält weiter auf. Warum das hier alles so vorsintflutlich abläuft wird beim Rollen zur Startbahn klar. Im Anschluss an die jetzige kilometerlange Halle wird eine doppelt so lange Verlängerung angebaut. Für die Übergangszeit hat man die Gates 35 bis 43 provisorisch ausgelagert.
Um zehn Uhr sind wir endlich in der Luft. Über die Landspitze der Emirate hinweg geht es auf Singapur zu. Sechseinhalb weitere Stunden Flug liegen vor uns. Wir haben eine Boeing 777-300 bestiegen, die Bestuhlung ist deutlich enger als in unserem Airbus. Am Fenster rechts neben mir sitzt ein kleiner, dunkelhäutiger Mann aus Malaysia. Es geht über Indien hinweg, später wieder übers offene Meer. Dauernd müssen wir essen: Frühstück, Zwischensnacks, Lunch. Ich habe die Uhr auf Singapur-Zeit gestellt. In zweieinhalb Stunden werden wir dort landen.
Schon auf dem Rollfeld merken wir, dass hier ein anderes Wetter herrschen muss als in Dubai. Am außen kalten Flugzeug beschlagen sofort die Scheiben. Diesmal rollen wir an einen Rüssel. Schnell haben wir die Passkontrollen hinter uns, dann müssen wir weit durch das Gebäude zur Gepäckausgabe laufen. Beide Taschen kommen unbeschädigt an, vor der Tür werden wir mit unserem Namen empfangen und von einem netten jungen Mann in das weitere Procedere eingewiesen. Er schnappt sich Elkes Koffer und dann geht es raus zum Parkplatz. Dort trifft uns fast der Schlag: Wir tragen ja noch unsere mitteleuropäische Kleidung, hier ist aber Dschungelklima. Im Nu sind wir durchgeschwitzt, das klimatisierte Auto ist danach eine Erholung. Eine halbe Stunde benötigen wir für die Fahrt zum Hotel, dabei bekommen wir schon einen ersten Eindruck vom modernen Singapur bei Nacht. Im Copthorne Waterfront Hotel ist es richtig nobel. Allerdings entdeckt Elke im Zimmer auf dem Tisch Dreck und auch der Bademantel ist benutzt. Trotzdem, es ist schön kühl und auf dem Bett liegt es sich gut. Es ist inzwischen zehn Uhr geworden, auf ein Essen so spät am Abend verzichten wir und zu Unternehmungen verspüren wir auch keine Lust. Aber einen Schritt durch die schwülwarme Luft gehen wir doch noch. Gleich um die Ecke, noch im Hotelkomplex, kann man wunderschön am Wasser sitzen. Große Ventilatoren fächeln uns Kühlung zu und vor uns stehen sofort zwei große Tiger-Biere. Die zischen nur so weg, dass ich mir noch ein kleines bestelle. Gegen Mitternacht bezahlen wir: 34 Dollar!
17.10.08 11:15


Montag,16.10.2006

Singapur
Der Wecker klingelt um sieben Uhr. Es dauert ein wenig, bis Elke richtig wach ist, den ganzen Tag lang hat sie ein wenig mit dem Jetlag zu kämpfen. Das Frühstück ist prächtig, ich probiere auch die asiatischen Gerichte alle aus. Um neun Uhr werden wir vom Hotel zu unserer vorab gebuchten Stadtrundfahrt abgeholt. In halsbrecherischer Fahrt geht es mit dem Kleinbus durch den Vormittags-Linksverkehr. Unsere Führerin erzählt uns im Bus manche Anekdote, an den einzelnen Stationen lässt sie uns alleine laufen. Wir besuchen Little India und laufen dort durch einen mit Räucherstäbchen parfümierten Markt, besichtigen einen hinduistischen Tempel in Chinatown, steigen am Singapore River aus und landen wie durch Zufall in einer Schmuckfabrik. Ich habe mit Vorbedacht die Kreditkarte im Hotel im Safe gelassen, deshalb bedienen wir uns nur am Jasmintee und verlassen das Geschäft ohne Einkauf. Letzte Station der Rundfahrt ist der Botanische Garten. Hier verabschieden wir uns von der Reiseleiterin, denn wir wollen dieses Kleinod für uns erkunden und auch länger hier bleiben. Diese Entscheidung ist richtig, denn allein im Orchideengarten verbringen wir mehr als eine Stunde, so außergewöhnlich ist es hier. Doch auch der Teil des Gartens, den wir anschließend auf eigene Faust erkunden, ist einen Besuch wert. Durch ein weitläufiges Parkgelände mit Palmen, Bambusgehölzen, weiteren tausend Pflanzen, die wir nicht kennen, vorbei an Seen mit Schildkröten gelangen wir schließlich zu einem Cafe, bei dem wir uns ein warmes Mittagessen bestellen: Asiatisches Menu des Tages. Es entpuppt sich als eine dicke Meeresfrüchtesuppe mit Gemüse, schmeckt ganz lecker und wird abgeschlossen mit einem Wackelpudding mit Pilzen? und honigsüßer Soße. Der anschließende Marsch zur Orchard Road auf einer Landstraße ohne Fußweg behagt Elke überhaupt nicht, außerdem tun ihr die Füße weh. Ein Weilchen bleiben wir auf dieser Einkaufsmeile, biegen dann ab und schlagen uns zu unserem Hotel durch. Hier haben wir uns eine Dusche verdient. Elke legt sich aufs Bett und schläft auch sofort ein, ich kopiere Bilder und schreibe Tagebuch. Wir beschließen, auf eine Bootsfahrt zu verzichten und lieber mit dem Taxi in die Innenstadt zu fahren, um noch einmal durch Chinatown zu spazieren. Nun sind wir doch in die Innenstadt gelaufen. Nachdem ich einen Hotelangestellten nach einem Fußweg nach Chinatown gefragt und der uns einen Weg immer am Fluss entlang empfohlen hatte, verließen wir uns auf diesen Tipp und gingen los. Und wie gut der Rat war! Entlang der alten, inzwischen aber restaurierten oder völlig neu gebauten Lagerhäuser, in denen sich jetzt ein Pub an den nächsten reiht, erreichen wir Clarke Quai. Hier boomt es am Abend. Die Kneipenstraße ist mit einem modernen Zeltdach in Art des Münchener Olympiastadions überdacht. Es gibt Springbrunnen und wir entdecken sogar ein „Erzgebirge-Haus“, vor dem sich die Chinesen die Nasen platt drücken. Zwei Straßen müssen wir von hier ab noch überqueren, eine Brücke überschreiten und dann stecken wir mitten drin im quirligen Chinatown. Alle Läden haben geöffnet, viele Einheimische und Touristen bevölkern die Straßen. Wir lassen uns durch das Gewühl treiben, finden den Hindu-Tempel wieder und landen, mehr durch Zufall, in einer Straße, in der sich eine chinesische Garküche an die andere reiht. Zweimal gehen wir die Straße hinunter und herauf, dann entschließt sich Elke für ein Menü für fünfzehn Dollar – für zwei Personen. Wir werden an einem freien Holztisch platziert und nun trägt die Dame auf: Eine große Terrine voll leckerer Suppe undefinierbarer Herkunft mit zwei Löffeln, eine Schale mit Fleisch, eine mit Gemüse, eine mit kleinem, in Blätterteig gebackenen Gemüsemischmasch mit Austernsoße. Dazu gibt es zwei große Portionen Reis, in denen nicht nur eine Knoblauchzehe mitgekocht wurde. Wir machen wohl einen solch westlichen Eindruck, dass gar nicht erst nach Stäbchen gefragt wird, sondern gleich Löffel und Gabeln auf den Tisch kommen. Die Bestellung von zwei Flaschen Bier gestaltet sich etwas schwierig, dazu muss erst die „Bierdame“, die für die Bewirtung mit diesem Getränk auf der gesamten Straße zuständig ist, an unseren Tisch gebeten werden. Sie kommt später noch zweimal, um uns nachzuschenken, wie in einem guten Restaurant. Auf der Straße wieseln Männer herum, die die Tische abräumen, egal vor welchem Laden, und die das gereinigte Geschirr wieder zu den Buden zurückbringen. Gerade als wir bezahlt haben und weitergehen wollen, kommt an uns das Ehepaar aus dem Flugzeug hinter uns mit dem geduldigen Kind die Straße entlang. Wir begrüßen uns, stellen fest, dass wir nicht erst seit Dubai, sondern schon seit Frankfurt zusammen geflogen sind und stellen gemeinsam fest, wie klein doch die Welt ist. Auf dem Rückweg kaufen wir ein Hemd für mich, massieren unsere Fußsohlen auf einem Kieselsteinbett, sehen Modellfliegern zu und setzen uns letztendlich kurz vor Erreichen des Hotels auf ein Bier in Liegestühle vor einen Pub.
17.10.08 11:16


Dienstag, 17.10.2006

Singapur - Melbourne
Heute ist es noch heißer als gestern. Das liegt wohl daran, dass sich der Dunst verzogen hat und die Sonne sticht. Ich hatte recht, Singapur liegt fast auf dem Äquator, kein Wunder, dass es hier wärmer ist als im Oberharz. Nach dem wieder ausgiebigen Frühstück laufen wir, diesmal auf der rechten Seite des Flusses, noch einmal in die City. Wir schaffen es bis ins Bankenviertel und zum Raffle-Denkmal. Anfangs sind wir noch fast allein in der Stadt, aber auf dem Rückweg begegnen wir Mengen von Touristengruppen, die durch die malerischen Flussviertel geführt werden. Völlig erschlagen von der Schwüle kehren wir gegen zwölf Uhr ins Hotel zurück. Hier wartet schon unser Bus und ab geht es zum Flughafen. Der Fahrer erklärt mehr als die Führerin gestern, die halbe Stunde vergeht wie im Fluge. Der Airport ist gut klimatisiert, es gibt einen Cappuccino und Internetzugang und so nutzen wir die Zeit bis zum Abflug sinnvoll.
16.10 Uhr: Wir sitzen im Flieger von Singapur nach Australien. Gerade hat der Kapitän uns begrüßt, was wir wegen der schlechten Qualität der Lautsprecheranlage nur sehr schwer verstanden haben. Die heißen Tücher zum Erfrischen sind verteilt, dann laufen die Turbinen an. Nun müssen wir nur noch acht Stunden und sechstausend Kilometer warten, bis wir in Melbourne eintreffen.
Mein Nachbar zur Rechten schläft fast die gesamte Zeit. Das ist angenehm für mich, denn ein Gespräch mit ihm ist recht anstrengend, weil ich Schwierigkeiten mit seinem Akzent habe. Aber er ist klein und nimmt wenig Platz ein, sodass wir uns nicht einschränken müssen. Wir hatten beim Einsteigen schon die Befürchtung, jemanden von den vielen Dicken neben uns zu haben. Das Durchschnittsgewicht der heutigen Passagiere ist deutlich höher als das der überwiegend asiatischen auf der letzten Etappe. Auch der Alkoholkonsum ist größer, sollte hier ein Zusammenhang bestehen? Der Service kommt uns auf dieser Teilstrecke ein wenig nachlässiger vor. Vielleicht liegt es daran, dass der Feierabend winkt.
17.10.08 11:17


Mittwoch, 18.10.2006

Ankunft in Australien, erster Tag in Healesville

Dann geht alles sehr schnell. Mit der angekündigten halben Stunde Verspätung landen wir um ein Uhr in Melbourne. Die Passformalitäten sind ganz schnell abgewickelt. Die kurze Frage des Beamten nach Speisen verneinen wir, wir dürfen die Tür nach rechts benutzen und stehen in der Ausgangshalle: Keine Kontrollen, kein Durchleuchten der Taschen, keine Befragungen. Draußen stehen Gisela und Bernd und nehmen uns ganz herzlich in Empfang. Schnell sind wir beim Auto, verstauen das Gepäck und eine Stunde später, nachdem wir fast einen Wombat überfahren haben, stehen wir nach dieser langen Reise an unserem ersten Ziel in Healesville. An Schlafen ist jetzt noch nicht zu denken, also sitzen wir in der Küche, trinken ein Bier und quatschen bis vier Uhr.
Bis gegen elf Uhr schlafen wir heute. Nach einem ausgiebigen Frühstück begehen wir das Grundstück, sehen die ersten hier einheimischen, uns aber unbekannten Pflanzen und Vögel und fahren am Nachmittag in einen Nationalpark ganz in der Nähe. An einem kleinen Nebenbach des Yarra gehen wir durch dichten Baumfarnwald, der überwachsen ist von kirchturmhohen Gumtrees auf einem hier angelegten Rundweg bis zu einem Wehr. Wir beobachten Forellen in dem klaren Bergbach, bestaunen die teilweise hohlen Gumtrees, lassen uns von Ameisen erzählen, die zehn Zentimeter hoch springen und kehren nach zwei Stunden an unseren Ausgangspunkt zurück. Hier am Parkplatz wimmelt es von roten Rosellas, die es wohl gewöhnt sind, dass die Besucher Futter für sie bereithalten. Auch ein Kookaburra wagt sich ganz in unsere Nähe, selbst ein weißer Kakadu ist neugierig und kommt uns ganz nahe. Es ist eine unwirkliche Welt, aus der wir erst durch eine Rangerin, die uns auf die Schließzeit des Parks aufmerksam macht, zurückgeholt werden.
Holla, war das ein eindrucksvoller Start in einen Urlaub auf einem anderen Erdteil.
17.10.08 11:18


Donnerstag, 19. Oktober 2006

Mt. Donna Buang
Nachdem der Garten mit Wasser versorgt und der Salat für das Abendessen gepflückt ist, machen wir uns auf in die Berge. Ziel ist der Mt. Donna Buang, mit ca. 1000 m einer der höchsten Berge hier in der Gegend. Auf dem Weg dahin steigen wir mehrfach zu kleineren Spaziergängen oder an Aussichtspunkten aus, an denen uns Bernd Besonderheiten erklärt. Der Gipfel des Mt. Donna Buang ist voll für den Wintersport erschlossen, das bedeutet, es gibt eine große BBQ-Hütte, mehrere Feuerstellen, eine großzügige Toilettenanlage und eine kleine Rodelbahn. Für uns ist aber der einundzwanzig Meter hohe Aussichtsturm am interessantesten, denn von hier oben haben wir einen phantastischen Ausblick. Der reicht von Melbourne im Süden bis zu den australischen Alpen im Norden. Um uns herum nur Wald und Berge, die paar Dörfchen verstecken sich in den Tälern. Für eine richtige Wanderung ist es heute schon zu spät, deshalb setzen wir uns wieder ins Auto und fahren zur nächsten Attraktion: Rainforest Gallery. Hier ist ein erhöhter Weg auf Stelzen durch den „Kalten Regenwald“ gebaut worden. In bis zu fünfzehn Metern Höhe werden wir zwischen den riesigen Eukalypten und Baumfarnen hindurch geführt. Manchmal geht es auf Treppen hinab bis auf den Boden des Waldes, hinein in eine undurchdringliche Wildnis, in der uns das Wachsen und Vergehen vor Augen geführt wird. Trotz der schon lange anhaltenden Trockenheit sprudeln hier Bäche zu Tal und es ist kühl und feucht. Das Licht bricht sich in dem Ast- und Blättergewirr und erreicht nur an ganz wenigen Stellen den Boden. Die Baumriesen ragen häufig nur noch als Skelette aus diesem Dickicht hervor, wir schätzen sie auf fünfzig Meter Höhe. Solch eine dicht bewaldete Berggegend haben wir selbst nach unserer vorbereitenden Lektüre in Australien nicht erwartet. Den Abschluss des Tages bildet ein Spaziergang durch Warburton, eine kleine Siedlung der Sieben-Tage-Adventisten. Alles kommt uns sauber und aufgeräumt vor, die Flussauen des Yarra wirken parkähnlich, die Hänge, durchsetzt mit Häuschen, erinnern an das Allgäu. Und das kommt nicht von ungefähr, haben sich hier doch viele Österreicher angesiedelt.
17.10.08 11:44


Freitag, 20. Oktober 2006

Melbourne, Queen Victoria Markets
Heute muss Bernd zum Arzt in Melbourne und wir fahren mit. So kommen wir einerseits in ein australisches Medical Health Center, andererseits können wir die Wartezeit mit ersten Einkäufen in einer nahegelegenen Einkaufsstraße überbrücken. 
Der weitere Weg führt uns später in das Verkehrsgewühl des Zentrums von Melbourne. Wir fahren auf einen Parkplatz in der Nähe der Queen-Viktoria-Markets, einer alten Markthalle im kolonialen Stil, in der man aber auch alles kaufen kann: Didgeridoos, Hüte, Fisch, Obst und German Wurst. Wir drängeln uns durch die Menschenmassen, kaufen Haifischfilet und polnisches Brot. Dabei müssen wir höllisch aufpassen, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren. Als wir die Hallen wieder verlassen, beginnt es zu regnen. Gisela und Bernd freuen sich und hoffen, dass in Healesville noch mehr Regen fällt, wir könnten drauf verzichten, denn mit dem Regen kommt auch die Kälte. Auf dem Rückweg lassen wir in einer Shopping Mall meine Handykarte aktivieren, denn das ist uns bisher nicht gelungen. So sehen wir auch gleich, wie es in einem solchen Einkaufszentrum zugeht. Zwei Hüte haben wir inzwischen auch erworben. Bei unserer Ankunft in Healesville stellen wir fest, dass es gerade mal 2 mm geregnet hat, viel zu wenig bei der anhaltenden Trockenheit.
17.10.08 11:50


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